Neideitel plaudert
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Pressemitteilung Neupert Verlag

Die Demo in Plauen am 7. Oktober 1989 stand am Anfang des späteren Untergangs der DDR, eine Betrachtung 30 Jahre später, am 7. Oktober 2019


Plauen und die Vogtländer ein Rückblick 30 Jahre nach dem 7. Oktober 1989 (Arbeitstitel)

Ein Rückblick und ein Ausblick des Personenkreises, der damals die Situation miterlebte und zum Teil mit auslösten.
Dieses Buch sollen die Plauener und Vogtländer in eigener Regie gestalten, der Verlag möchte nur der Koordinator sein. Ob mein Konzept aufgeht, wird sich zeigen, einen Versuch ist es jedenfalls wert.

Die Menschenmasse im Zentrumsbereich Plauens am 7. Oktober des Jahres 1989 waren der Auslöser! Man spricht von etwa 15 000 Personen. Es waren Plauener und Vogtländer, die Veränderungen zu ihren Arbeits- und Lebensbedingungen in diesem Staat DDR, in dem sie „eingesperrt“ lebten, erreichen wollten. Man wollte der Staatsmacht seinen Unmut zeigen, nachdem diese ihren Untergebenen an diesen Staatsfeiertag, dem 40. Geburtstag der DDR, gegenüber Stärke demonstrieren wollte. Heute wissen wir, dieser 7. Oktober war der Anfang vom Ende der DDR. Jede Reise, ob nach Amerika oder zum Mars, beginnt mit einem ersten Schritt. Diese Form des zivilen waffenlosen Ungehorsams von einer Masse von 15 000 musste auf die Staatsmacht an diesem Tag und danach den Eindruck erweckt haben, hier bahnt sich etwas an, abwarten und Zeit gewinnen scheint die beste Strategie zu sein! Am 8. 10., als der Staat seinerseits Maßnahmen ergreifen wollte, konnte man nur noch reagieren und zuschauen. Am 9.10.89 waren die Leipziger auf die Straße gegangen, sie konnten dies unbedarft tun, denn der Buschfunk hatte dies dem verantwortlichen Personenkreis sicher schon zugetragen. Im Gegensatz zu Plauen, wo die Menschen ungesteuert sich im Zentrum zu einem Demonstrationszug formierten, war die Situation in Leipzig ganz anders. Die Bürger der DDR hatten begonnen, eine Lawine loszutreten, die letztlich das bereits morsche Staatsgebilde und seine Anhänger hinwegfegte. Gorbatschow besiegelte noch das Ende, indem er die DDR wie eine heiße Kartoffel fallen ließ.
Noch einmal im Klartext: Dass wir heute BRD-Bürger sind, ist dem kleinen zänkischen Bergvolk der Vogtländer zu verdanken. Die politische Lage war im Vorfeld durch verschiedene Ereignisse schon angespannt. Dies war für uns ein Glückstreffer. So mancher scheint dies bis heute noch nicht begriffen zu haben. BRD-Bürger zu werden, dieses versessene Ziel, scheinbar unerreichbar, deswegen ist am 7. Oktober 1989 in Plauen keiner ins Zentrum gegangen. Es ging darum, herrschende Missstände im Land, in der DDR anzuprangern, um das Leben in diesem Staat für den Einzelnen zu erleichtern. Das Thema Wende/BRD ergab sich aus der weiteren Entwicklung der Situation im Land in den folgenden Tagen und Wochen. Für einen Teil der Bevölkerung war es die Gunst der Stunde, für den anderen Teil die Ungunst. Auf diesem unblutigen Weg vom Sozialismus zum Kapitalismus wurde in diesem Land DDR das Oberste zum Untersten umgekrempelt.
Existenzen, Familien, Freundschaften wurden für immer zerstört, ebenso ihre Lebensgrundlage, Betriebe und damit Millionen Arbeitsplätze. Ein Großteil der Bevölkerung wurde entwurzelt, fand sich im eigenen Land nicht mehr zurecht. Mit der Hilfe, oder sagen wir besser unter der Dominanz der Bewohner der alten BRD wurde das ehemalige Gebiet der DDR für die Marktwirtschaft erschlossen. Hier Beispiele aufzuzählen, hieß aus meiner Sicht, Eulen nach Athen zu tragen! Die ehemalige DDR findet man heute nur noch auf alten Fotos und in der Erinnerung ihrer ehemaligen Bewohner. Es sind Menschen mittlerweile 30 Jahre älter, manche auch schon im vorgerückten Alter. Sie besitzen das Wissen eines langen Lebens mit seinen Höhen und Tiefen, durch die sie gehen mussten. So wie der Schreiber dieser Zeilen dies auch mußte. In ihm reifte der Gedanke, die 30. Wiederkehr des 7. Oktobers 1989 zu nutzen, um den Personenkreis von damals zu befragen, was diese Wende und die heutige Zugehörigkeit zur BRD, die sie unbewusst ausgelöst hatten, in ihrem privaten Leben, aber auch in ihrer beruflichen Entwicklung bewirkt hat? Was vermisst man? Ist der Mensch zufriedener als früher? Hat man Sorgen und Zweifel zur Gegenwart oder zur Zukunft, welche in der DDR gegenstandslos waren? Dieser Staat hat zweifelsohne auch seine guten Seiten. Welche es sind, darüber kann sich jeder ohne Zensur befürchten zu müssen in einer kleinen Dokumentation, die zur 30. Wiederkehr der Demo in Plauen vom Neupertverlag 2019 geplant ist, äußern.Teilnahmekriterien: 1989 in Plauen oder im Vogtland der Wohnort. Das Mindestalter sollte nicht weniger als 45 Jahre im heutigen Jahr 2019 betragen. Teilnehmen an dieser Umfrage kann der unten genannte Personenkreis.

Wichtiger Hinweis:
Wer teilnimmt, kann seinen Beitrag mit seiner Unterschrift signieren.
Wer sich sorgt, durch seine Offenheit Nachteile in seinem Umfeld zu bekommen, kann mit einer Zahl oder einem Pseudonym unterzeichnen, seinen Namen, Anschrift, Alter beziehungsweise Telefonnummer auf einem beiliegenden Zettel beifügen. Diese Information darauf ist nur für mich bestimmt, damit ich keinem „Scherzkeks“ auf den Leim gehe. Aus dem gleichen Grund bitte ich die „Erinnerungen“ dem Verlag per Post zukommen zu lassen oder auch persönlich abzugeben, so umgehe ich die Gefahr, mir beim Öffnen des „Anhangs“ einen Virus aus dem Internet von einem Scherzkeks einzuhandeln.

Die Anschrift des Verlags:
Vogtländischer Heimatverlag Neupert
z. Hdn. Herrn Curt Röder
Stichwort Erinnerungen
Klostermarkt 9
08523 Plauen
Tel. 03741 226820

Um ein breites Spektrum an Meinungen für die Dokumentation zu erreichen, kann sich jeder zu Wort melden. Ob ehemaliger Parteikader, MFS-Mitglied, IM, Arbeitsloser, Hartz IV-Empfänger, Obdachlose, heute Selbständige oder Menschen wie du und ich. Ihre Funktionen vor oder nach dem 7. 10. 89 sind mir gleich.
Ich möchte in der Dokumentation nur das wiedergeben, was die Zeit den einzelnen Personen beschert hat. Die eingegangenen „Erinnerungen“ werden ohne Kommentar, wenn sie realistisch erscheinen, aufgenommen. Rechtschreibung, Form etc. übernimmt der Verlag. Auskünfte, wer an der vorgesehenen Dokumentation mitarbeitet, werden vom Verlag an Dritte nicht erteilt.
Gehörten Sie in der DDR dem Staatsdienst an, hatten eine leitende Funktion, oder dem MFS oder waren Sie nur SED-Mitglied? Welche Erfahrungen mussten sie nach dem 7. 10. 1989 hierdurch erleben? Wie reagierte Ihr bisheriger Bekanntenkreis?
Gab es für Sie soziale Nachteile? Fühlen Sie sich in dieses neue System restlos integriert? Was für Erfahrungen haben Sie mit dem Thema Wendehälse gemacht?
Den Herausgeber, von dem u. a. auch die Dokumentation „Die Wende in Plauen“ stammt, reizt der Gedanke, für die uns nachfolgenden Generationen einmal unverfälscht Menschen zu Wort kommen zu lassen, ihre Träume und Sehnsüchte, die Höhen und Tiefen, welche sie mit dem Systemwechsel vom Sozialismus zum Kapitalismus erlebten und durchlitten haben. Es war eine tiefgreifende Veränderung, die alten Werte, die der Mensch in sich trug, wurden als nicht mehr zeitgemäß betrachtet. Das Miteinander ist kaltgeworden. Was nur noch zählt, ist das eigene Ich. Ich weiß, dass der Vergleich hinkt. Es ist, wie wenn eine Herde Menschenaffen, die ihr ganzes Leben umsorgt im Zoo lebte, von heute auf morgen in den Urwald gebracht und ihrem Schicksal überlassen wird.

Lachen sie nicht über diesen Vergleich! Wenn sie etwas nachgedacht haben, werden sie feststellen, die Situation der DDR-Bürger war nach dem 7. Oktober 1989 bei uns ähnlich. Der Käfig war offen, was den Einzelnen draußen erwartete, nun, darüber sollen die vielfältigen Erinnerungsberichte Zeugnis ablegen.
Von Fehlinterpretationen der Ereignisse in Plauen zeigen vielfältige Plaketten mit falschen Angaben, die seit 30 Jahren vertrieben werden. (siehe Anhang)

Redaktionsschluß ist Ende Juni 2019, aber je eher der Verlag die Manuskripte erhält, um so wahrscheinlicher ist die Realisierung des Projektes.

Curt Röder
Verleger

Plauen 23.2.2019

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